BaumkontrollenDas Modell des Ingenieurbaumes und der biologische Baum |
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8. Zu (Defekt-)Symptomen und ihrer Bewertung |
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Nach dem mechanischen Baummodell, das dem Ingenieurbaum zugrundeliegt, muß jede Abweichung vom "Normalen" beziehungsweise jede übermäßige oder unterlassene Materialanlagerung ein Hinweis auf eine mechanisch bedeutsame Schwachstelle sein. In Ergänzung hierzu werden noch weitere Defekthinweise, wie stammnahe Bordsteine, genannt. Schwachstellen im Traggerüst des Baumes können demnach zum Beispiel durch Wulst- oder Beulenbildungen auf der Baumoberfläche abgelesen werden. Bei Symptomen an biologischen Bäumen ist zu unterscheiden in Tatsächlich gibt es an biologischen Bäumen nur sieben eindeutige Schadsymptome, die klare Hinweise auf eine Umsturzgefahr geben. Selbst wenn eines dieser bedeutsamen Schadsymptome erkannt wird, ist es manchmal erst die Summe der Erscheinungen, die eine Bruchgefahr nahelegen, zum Beispiel tiefreichende Stammhöhlung und nur geringes Kompensationswachstum im Bereich der Schadstelle und exponierter Stand mit großer Krone (= hohe Windlast) und schlanker Wuchs mit geringem Stammdurchmesser (= geringe Sicherheitsreserven). Weist ein anderer Baum mit tiefreichender Höhlung ein kräftiges Kompensationswachstum im Bereich der Schadstelle auf, steht windgeschützt und hat eine nur kleine Krone (= geringe Windlast) bei gleichzeitig großem Stammdurchmesser ausgebildet (= hohe Sicherheitsreserven, alte Naturdenkmalbäume!), kann er durch den erfahrenen Baumkontrolleur durchaus noch als bruchsicher erkannt werden. Das grobe Muster (7 eindeutige Schadsymptome) sowie darauf aufbauend diese Feinheiten vermittelt die biostatische Baumkontrolle, die bei sachkundiger Anwendung unnötige meßtechnische Untersuchungen und Kappungen beziehungsweise Fällungen auf ein Minimum reduziert. Der fachkundige Baumkonrolleur betrachtet den Baum als biologisches Ganzes in Bezug zu seinem Umfeld. Er muß in der Lage sein, durch diesen integrierten Kontrollansatz Symptome an Bäumen richtig einzuordnen. Viele Baumkontrolleure leisten dies offenbar nicht. Sie sehen und beurteilen Symptome an Bäumen gefiltert durch die mechanische Brille. Damit folgen Sie der Betrachtungsweise des Ingenieurbaumes. Dies führt jedoch zu einer Vielzahl von meist unnötigen weitergehenden meßtechnischen Untersuchungen und vielen oftmals unnötigen Kronenkappungen und Baumfällungen. In einer dem Wohnort des Verfassers nahegelegenen Stadt waren nach Mitteilung eines Mitarbeiters des Grünflächenamtes nach Sichtkontrollen an etwa 11.000 Bäumen durch ein Baumsachverständigenbüro etwa 500-600 Bäume zur weitergehenden Untersuchung vorgesehen. Dies waren zwischen etwa 4,5 und 5,5 % des Gesamtbestandes. Die Baumkontrollen waren auf der Grundlage der Symptomdeutung nach baummechanischem Modell erfolgt. Ein Baumsachverständiger wirbt im Internet damit, daß bei von seinem Büro durchgeführten Sichtkontrollen, Symptomdeutung nach baummechanischen Modell, nur bei bis 3-4 % der Bäume weitergehende Untersuchungen erforderlich seien (Fällrate etwa 1 %). Bei Langzeit-Sichtkontrollen auf empirischer Grundlage, wie sie der Verfasser zum Beispiel in einer Stadt mit einem altersmäßig abgestuften Baumbestand von etwa 4.300 Bäumen einmal jährlich durchführt, sind weitergehende meßtechnische Untersuchungen nur an etwa 2-4 Bäumen pro Jahr erforderlich. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von weniger als 0,1 % (während des gesamten Kontrollzeitraumes ist noch kein Schadensfall durch Problembäume eingetreten - die laufende gründliche biostatische Sichtkontrolle kostet in dieser ca. 200 km vom Wohnort des Verfassers entfernten Stadt etwa DM 5,-- pro Baum).
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