BaumkontrollenDas Modell des Ingenieurbaumes und der biologische Baum |
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| 6. Zur Wundholzbildung
Besonders in der Wundheilung wird beim mechanischen Baummodell eine Bestätigung der Theorie einer konstanten Spannung auf der Baumoberfläche gesehen. Bei Störung dieser Spannungskonstanz durch eine Verletzung versuche der Baum sofort, diese Soll-Bruchstelle zu reparieren. Wundholz entsteht, wenn der Kambiumring unterbrochen wird. Es kann die Wundstellen teilweise oder auch ganz überwallen. Dabei steuern Wundhormone die Wundgewebebildung und den Differenzierungsmechanismus im Kambium. Zunächst wächst das an die Wundränder angrenzende Kambium wulstartig zu einem Kallusgewebe aus. Es entsteht ein neues Kambium, das sich mit dem ursprünglichen verbindet. Das neue Kambium bildet nach außen Rinde und nach innen Wundholz, das keine Verbindung mit dem inzwischen abgestorbenen, darunterliegenden Holzkörper der Wundfläche eingeht und nur aufgelagert wird. Der Unterschied zum Normalholz äußert sich in einem vollständigen oder zum Teil auch nur weitgehenden Fehlen der Holz- oder Libriformfasern beziehungsweise von Tracheiden und einer verstärkten Ausbildung parenchymatischer Zellen. Es wird also zunächst kein Festigungsgewebe gebildet. Differenziertes Holz wird erst nach Jahren mit immer größerer Entfernung zum Wundrand gebildet. Das weitgehende oder gar vollständige Fehlen von Festigungsgeweben im Wundholz zeigt, daß es nicht zur Verstärkung des beschädigten Baumteiles ausgebildet wird. Statt dessen werden vor allem lebende parenchymatische Zellen ausgebildet. Deren stark vakuolisierte Protoplasten sind von dünnen oder nur mäßig verdickten Zellwänden umgeben. Die lebenden Parenchymzellen sind außer den meristematischen Zellen des Kambiums die einzige Zellform im Baum, die auf Verletzungen oder Lufteinbruch aktiv reagieren kann. Das Wundholz wird vor allem zur Einkapselung von Schadstellen gebildet. LÖFFLER (1975) führt zur Wundholzbildung aus: "Erst nach vollendeter Überwallung kann damit gerechnet werden, daß das Pilzwachstum im Bauminnern zum Stillstand kommt." (DUJESIEFKEN 1995). Bei Stauchungen der Holzfasern durch mechanische Überbeanspruchung oder bei Frostschäden wird nach WAGENFÜHR (1988) Wulstholz gebildet. Es zeichnet sich durch eine geringe Festigkeit aus, wird also ebenfalls nicht zur Verstärkung des beschädigten Baumteiles ausgebildet. Aus all dem folgt, daß die aus der Hypothese der konstanten Spannung gezogenen und für die baumgutachterliche Praxis wesentlichen Schlußfolgerungen unzutreffend sind:
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![]() Kein eindeutiges Schadsymptom: Stark ausgeprägte runde Rippe als Hinweis auf einen verheilten Radialriß (falscher Frostriß). In diesem Fall ist der Defekt hinsichtlich der Bruchsicherheit ohne Bedeutung, denn der Schaden ist gut überwallt und der Stamm weist allseitig normalen Dicken-zuwachs auf. Foto: Thomas Sinn |