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Vorhersehbare statikrelevante Baumschäden können an den acht im 1. und
2. Teil des Aufsatzes beschriebenen eindeutigen Schadsymptomen erkannt
und ihre Gefährlichkeit anhand von verschiedenen Ausprägungen der Baumgestalt
bestimmt werden. Sie sind allerdings nicht immer leicht zu entdecken und
zu bestimmen.
Verschiedene Symptome/Anzeichen am Baum sowie im Baumumfeld können auf
das mögliche Vorhandensein eindeutiger Schadsymptome und statikrelevante
Schäden hinweisen.
Solche hinweisenden Symptome / Anzeichen sollten daher den Baumprüfer
veranlassen, besonders sorgfältig zu untersuchen. Keinesfalls darf der
Trugschluß entstehen, daß die nachfolgend aufgeführten hinweisenden Symptome
/ Anzeichen eindeutige Hinweise auf statikrelevante Schäden sind.
Meistens weisen Bäume mit hinweisenden Symptomen/Anzeichen keine eindeutigen
Schadsymptome auf und sind verkehrssicher. Auf die seltenen Ausnahmen
wird im Text hingewiesen.
Baulichkeiten
Es ist banal, diesen Punkt als hinweisendes Anzeichen für Baumkontrollen
an Altbäumen im städtischen Bereich aufzuführen. Jeder Straßenbaum ist
davon betroffen.
Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, daß Leitungstrassen
(erkennbar an Schachtdeckeln), Wegebeläge, Bordsteine, Mauern etc. Hinweise
auf zurückliegende und bedeutsame Wurzelschäden sein können. In der Regel
haben die Bäume dies -falls überhaupt bedeutsame Eingriffe in die Baumsubstanz
erfolgt sind- hinsichtlich der Baumstatik verkraftet. Sie sind verkehrssicher.
Abb. 19 zeigt deutlich, daß Baulichkeiten im Standraum von Bäumen kein
sicherer Hinweis auf statikrelevante Wurzelschäden sind. Die Eiche in
dem Hochbeet war laut Meßergebnis standsicher.
Schiefstand / Bodenaufwölbung
Ist keine Ursache für den Schiefstand erkennbar (benachbarte Gebäude,
Bäume etc.), kann Kippgefahr vorliegen. Dann ist zunächst die Krone zu
betrachten. Ist der obere Kronenbereich einschließlich des Leittriebes
ebenfalls schiefstehend, ist von einem gelockerten Baum und Kippgefahr
auszugehen.
Der Verdacht kann erhärtet werden, wenn der schrägstehende Stamm kein
Reaktionsholz ausgebildet hat (Messung der Ovalisierung mit Zollstock
oder im Rahmen einer Nachuntersuchung mit Kluppe).
Hat sich der Stamm beziehungsweise der obere Kronenbereich mit dem Leittrieb
nach anfänglich schrägem Wachstum wieder aufgerichtet, kann zunächst Entwarnung
gegeben werden.
Abb. 20 zeigt den gefährlichen Schiefstand einer Kiefer nach einem Orkan:
Der freistehende Baum ist durchgehend schief, ohne daß eine Aufwärtskrümmung
des Stammes beziehungsweise des oberen Kronenbereiches feststellbar ist.
Bei der näheren Untersuchung waren stammnahe, konzentrisch verlaufende
und weit aufklaffende Bodenrisse feststellbar.
Bodenaufwölbungen an schiefstehenden Bäumen vor allem auf unversiegelten
Standorten können ebenfalls ein Hinweis auf einen gelockerten Wurzelteller
sein. Der Verfasser hat sowohl sichere als auch unsichere schiefstehende
Bäume, jeweils zum Teil mit starken Bodenaufwölbungen, gemessen.
In einem Praxisfall hatte ein Baumkontrolleur eine statikrelevante Bodenaufwölbung
mit Hilfe eines Eisenstabes erkannt. In dem Hohlraum unter der Anhebung
war kein Widerstand feststellbar. Da der Baum bereits vor der Lockerung
schief gestanden hatte, war der Stamm ovalisiert.
Schiefstehende Bäume mit der Ausbildung eindeutiger Schadsymptome sind
besonders kritisch zu bewerten. Bei Bodenvernässung auf bindigen Böden
ansonsten trockener Standorte kann es in seltenen Fällen zum Kippversagen
schiefstehender Bäume kommen. Dies ist nicht vorhersehbar.
Adventivwurzeln
Adventivwurzeln werden als Ersatz für den Verlust von Wurzeln, zum Beispiel
nach Abgrabungen, gebildet. Das Freilegen von Baumwurzeln ist nicht Bestandteil
von Baumkontrollen. Auf offenen Böden sind jedoch manchmal oberflächennah
Wurzeln durch abfließendes Regenwasser freigespült.
Das gehäufte Auftreten von Adventivwurzeln am Stammfuß nahe der Bodenoberfläche
kann ein Hinweis auf starke Bodenverdichtung oder mögliche Verluste statikrelevanter
Wurzeln und fortgeschrittene Fäulen sein. Die nachträglich gebildeten
Adventivwurzeln können an dem auffälligen stammnahen Wurzelgeflecht, der
helleren Rinde und den geringeren Wurzeldicken im Vergleich zu den ursprünglichen
Wurzeln erkannt werden. Außerdem besteht kein fließender Übergang zwischen
Wurzeln und Stamm.
An eingefüllten Bäumen können sich am Stamm Adventivwurzeln entwickeln.
Adventivwurzeln können sich auch in Höhlungen und in den Wassertaschen
von V-Zwieseln bilden.
Stock- / Stammaustriebe
Diese können natürlicherweise an vielen Laubbaumarten, vor allem an Linden
oder Ulmen, vorkommen. Bei nachlassender Vitalität, wenn die oberen Kronenbereiche
nicht mehr ausreichend versorgt werden können, bilden viele Baumarten
ebenfalls Stock- / Stammaustriebe aus.
Auch wenn Vitalität und Verkehrssicherheit differenziert betrachtet werden
müssen (siehe nachfolgenden Text unter „absterbende obere/ periphere Kronenteile...“)
sind Stock- / Stammaustriebe ein Hinweis zur besonders gründlichen visuellen
Untersuchung auf die Ausbildung eindeutiger Schadsymptome.
Stammfußverdickung
Bei den meisten Bäumen ist der Stammfuß natürlicherweise im Bereich der
Wurzelanläufe verdickt. Eine außergewöhnliche Verdickung kann ein Hinweis
auf fäulebedingtes Kompensationswachstum des Baumes sein. Solange keine
eindeutigen Schadsymptome festgestellt werden, sind Stammfußverdickungen
hinsichtlich der Verkehrssicherheit ohne Bedeutung.
Verwechselungsmöglichkeiten: Auf flachgründigen Standorten mit geringer
Eindringtiefe für die Wurzeln können Bäume eine starke Verbreiterung des
Stammfußes aufweisen. Dies ist nicht fäulebedingt.
Bei veredelten Bäumen kann der untere Stammbereich durch eine wüchsigere
Unterlage verdickt sein. Die alte Veredelungsstelle kann noch als ringförmiger
Einschnitt in der Rinde erkennbar sein. Der umgekehrte Fall, eine Verjüngung
des unteren Stammbereiches, ist ebenfalls ein Hinweis auf eine Veredelungsstelle.
Veredelungsstellen
Siehe unter „Stammfußverdickung“. Selten kann es vorkommen, daß Altbäume
mit schlecht verwachsenen Veredelungsstellen brechen. Diese Form des strukturell
bedingten Baumversagens ist für den Baumkontrolleur nicht vorherzusehen,
es sei denn, ein eindeutiges Schadsymptom wie ein tief in den Holzkörper
reichender Riss ist im Bereich der Veredelungsstelle ausgebildet.
Abb. 21 zeigt die Veredelungsstelle einer Linde mit ausgeprägten Überwallungen.
Bei diesem Baum ist die Unterlage weniger wüchsig. Die Veredelungsstelle
war laut Meßergebnis bruchsicher.
Ameisennester im Stamm / Holzmehl
Das massenweise Auftreten von Ameisen am Stammfuß und Stamm deutet auf
das Vorhandensein von Nestern im Holzkörper des Baumes hin. Meistens werden
die Nester in geschädigtem Holz angelegt. Das Vorhandensein von Holzmehl
ist ein weiterer Hinweis auf die Bautätigkeit der Insekten im Stamm und
vorhandene Stammschäden.
Holzmehl, meistens unterhalb von Bohrlöchern, kann auch auf die Tätigkeit
anderer holzbewohnender Insekten und Holzschäden hinweisen.
Nässende Schäden / Ausfluß / Harzfluß
An Laubbäumen, besonders häufig an Roßkastanien, kann in Verbindung mit
Verletzungen ein Ausfluß, an Nadelbäumen außerdem Harzaustritt, festgestellt
werden. Es können verdeckte Risse / Fäulen vorliegen.
Besonders beim Vorkommen an der Nahtstelle unterhalb von V-Zwieseln und
an intakt erscheinenden Stämmen ohne sichtbare Holzschäden ist Vorsicht
geboten (Hinweis auf verdeckte Risse).
Ansonsten ist Ausfluß und Harzfluß meistens eine hinsichtlich der Bruchsicherheit
unbedeutende Begleiterscheinung von offen liegenden Baumwunden. Dennoch
ist eine besonders gründliche Untersuchung auf die Ausbildung eindeutiger
Schadsymptome erforderlich.
Abb. 22 zeigt auffälligen Ausfluß am auf den ersten Blick intakt erscheinenden
Stamm einer Hemlocktanne. Die tiefen Einwallungen waren fäulebedingt und
zeigten zusammen mit dem partiellen übermäßigen Kompensationswachstum
einen statikrelevanten Schaden an. Der schiefstehende Baum war kippgefährdet.
Häufig siedeln sich Bakterien auf dem verletzungsbedingten Ausfluß von
Laubbäumen an. In der Folge können sich krustige, meist hell gefärbte
Überzüge bilden. Dies ist eine für den Baum und die Baumsicherheit ungefährliche
Begleiterscheinung.
Eine Verwechslungsmöglichkeit mit verletzungsbedingten Ausfluß sind feuchte
und dunkel gefärbte Rindenpartien durch am Stamm herablaufendes Regenwasser.
Partielles übermäßiges Kompensationswachstum
Siehe unter 2.1. im 2. Teil.
Abgestorbener oder nur schwach ausgebildeter Wundkallus
Ist im Bereich großer Schadstellen, insbesondere am Stammfuß, ein abgestorbener
oder nur sehr schwach ausgebildeter Wundkallus ausgebildet, ist manchmal
keine klare Abgrenzung zwischen abgestorbenen und gesunden Rinden- und
Holzbereichen vorhanden. Dies geht meistens mit fehlendem Kompensationswachstum
einher.
Dann kann Bruchgefahr bestehen.
Eingebaute Gewindestangen / alte Plomben
Im Bereich von Zwieseln sowie in Höhlungen sind manchmal Stahlgewindestangen
mit der Absicht der Stabilisierung eingebaut. Beim Vorhandensein in Höhlungen
ist von besonders ausgedehnten Fäulen auszugehen.
Dies hat folgende Ursachen: Zum einen werden Verbolzungen seit Ende der
80-er Jahre kaum noch verwendet, da damals ihre Wirkungslosigkeit in Stammhöhlungen
nachgewiesen wurde. Es handelt sich also um alte Schäden.
Zum anderen wurden damals noch begleitende baumchirurgische Maßnahmen
durchgeführt, das heißt vor allem die Stammhöhlungen wurden bis in das
gesunde Holz ausgefräßt. Die damit verbundene Zerstörung der baumeigenen
Schutzholzzonen führte zusammen mit den Durchbohrungen zu einer Schwächung
der Bäume und Förderung des Pilzwachstumes.
Bäume mit Höhlungen und Stammverbolzungen sind besonders sorgfältig auf
die Ausbildung eindeutiger Schadsymptome zu überprüfen.
V-Zwiesel mit eingebauten Verbolzungen sind zusätzlich mit Gurtsicherungen
zu sichern, da die Stahlgewindestangen im Stammkopf meistens weitgehend
wirkungslos sind. Von den Durchbohrungen ausgehend hat sich eine mehr
oder weniger umfangreiche Fäule entwickelt, die die Verbindung der V-Zwiesel
zusätzlich schwächt.
Sind außerdem alte Kronenverankerungen vorhanden, sollten diese nicht
ausgebaut werden. Wenn möglich, sind zusätzlich Gurtsicherungen einzubauen.
Genauso wie Verbolzungen sind Plomben in Öffnungen des Holzkörpers, die
bis in die 70-er Jahre verwendet wurden, ein Hinweis auf alte Stammausfaulungen
und zurückliegende umfangreiche baumchirurgische Maßnahmen (siehe Abb.
5 im 2. Teil).
Bäume mit Plomben sind ebenfalls besonders sorgfältig auf die Ausbildung
eindeutiger Schadsymptome zu überprüfen.
Anfahrschäden / oberflächliche Wunden am Holzkörper
Anfahrschäden werden ebenso wie andere oberflächliche Verletzungen des
Holzkörpers effektiv abgeschottet, da nur die äußeren reaktionsfähigen
Jahrringe von der Verletzung betroffen sind (dies gilt nicht für Astungswunden).
Häufig versperrt auch noch viele Jahre nach der Verletzung ein fester,
toter Holzkörper den Einblick in die Wunde.
Hinsichtlich der Verkehrssicherheitsbeurteilung gilt das gleiche wie unter
2.3 und 3.1 im 2. Teil aufgeführte. Insbesondere alte Verletzungen am
Stammfuß sind genau zu untersuchen.
Wundleisten / Frostrisse
Verschiedene Ursachen führen zur Ausbildung von auffälligen Rippen am
Stamm: Radialrisse können im Faserverlauf der Bäume mehrere Meter lang
sein und gehen von alten Kambiumverletzungen oder zentralen Stammfäulen
aus. Erreichen sie nach Jahren den Rindenmantel, setzen Überwallungvorgänge
ein und es entsteht eine Wundleiste.
Nach eigener Erfahrund sind Wundleisten hinsichtlich der Bruchsicherheit
ohne Bedeutung, wenn sie verheilt sind. Bislang bestand nur in einem Fall
an jährlich immer wieder unter Frosteinwirkung aufgeplatzten und gehäuft
auftretenden alten Wundleisten an Roßkastanien Bruchgefahr.
Abb. 23 zeigt jedes Jahr unter Frosteinwirkung erneut aufgeplatzte Wundleisten
am Stamm einer Roßkastanie. Von dem tief in den Holzkörper reichenden
Holzschaden ausgehend hat sich im Laufe der Jahre eine verkehrsgefährdende
Fäule entwickeln können. An diesem Baum traten Wundleisten auch an anderen
Stammseiten auf.
Weitere Ursachen der Rippenbildung an Bäumen sind Ringrisse, auch Ringschäle
genannt, sowie Narben als Folge zurückliegender überwallter Kambiumschäden.
Manchmal können Wundleisten am Stamm -wie bereits erwähnt- durch eine
weit fortgeschrittene Holzzersetzung im Bauminnern bedingt sein. Dann
kann Bruchgefahr bestehen.
Wundleisten an konkurrierenden Teilkronen im Bereich der Astkrümmung nach
oben sind ein Hinweis auf angebrochene Äste.
Wundleisten an den Stämmlingen vor allem von Roßkastanien als Folge zeitlich
zurückliegender Kappungen deuten auf eine weit fortgeschrittene Fäule
hin. In solchen Fällen kann Bruchgefahr bestehen.
Konkurrierende Teilkronen / Überlastige Äste
Siehe unter 5.1, 2. Teil.
Überlastige Äste wachsen aus dem weitgehend geschlossenen Kronenbild heraus.
Außer auf Risse im Astverlauf ist auf Leistenbildungen und auf die Stabilität
der Astanbindung zu achten. Bei hohem Gefährdungspotential zum Beispiel
auf belebten Plätzen empfiehlt sich manchmal der präventive Einbau von
Gurtsicherungen.
Wespen- / Bienen- oder Hornissennester
Diese werden in alten Spechthöhlen und anderen Höhlungen angelegt und
sind ein Hinweis auf fortgeschrittene Holzzersetzung. Häufig werden Höhlungen
hoch oben in der Krone erst durch die rege Flugtätigkeit der Insekten
bis in den Herbst hinein erkannt.
Vor allem an schlank und hoch gewachsenen Bestandsbäumen kann dann Bruchgefahr
bestehen.
Ständer oder Reiterationstriebe
Sie stellen eine der größten Herausförderungen für den verantwortungsbewußten
Baumkontrolleur dar und werden an Kappungsstellen hoch oben in der Krone
ausgebildet. Nach Kappungen bilden sich aus schlafenden Augen neue Triebe
zum Ausgleich des Verlustes der verloren gegangenen Baumteile.
Auf der einen Seite werden die Neuaustriebe (Ständer) immer länger und
schwerer. Auf der anderen Seite faulen die gekappten Stämmlinge, an denen
die Ständer ansitzen, immer weiter aus.
Einige Erfahrungswerte zur Bruchsicherheit: Die ersten Ständer weichholziger
Baumarten, wie Weiden, Pappeln und Birken, brachen etwa 5-7 Jahre nach
der Kappung aus.
Bei Roßkastanien, Linden und Platanen bestand Bruchgefahr oftmals erst
15-20 Jahre nach der Kappung, bei vitalen Bäumen auch erst nach 20-30
Jahren oder später. Es waren sowohl Ständer ausbruchgefährdet als auch
stark ausgefaulte Stämmlinge mit ausgeprägten Wundleistenbildungen.
Die genannten Baumarten sowie andere bilden einen kräftigen Wundkallus
an der Kappungsstelle aus, der die Ständer untereinander verbindet. Eine
kräftige Wundkallusbildung an den Insertionsstellen der Ständer kann mit
dem Fernglas vom Boden aus erkannt werden. Es ist ein Hinweis auf sichere
Ständer.
Ist keine kräftige Wundkallusbildung feststellbar oder werden Pilzfruchtkörper
oder ungünstige, zum Beispiel V-förmige Anbindungen festgestellt, kann
auch schon früher Bruchgefahr bestehen. An alten Kappungen sind deshalb
im Zweifelsfall weitergehende visuelle Untersuchungen, zum Beispiel mit
Hilfe einer Leiter oder eines Hubsteigers, erforderlich.
Ein meßtechnisch begleiteter Ausbruchversuch an einem etwa 13 m hohen
Ständer einer gekappten Roßkastanie mit kräftiger Wundkallusbildung an
der Insertionsstelle ergab hochgradige Bruchsicherheit. Der Primärbruch
erfolgte bei einer Belastung von 5 Tonnen an dem dicksten Überwallungswulst.
Eine durch Bombentreffer im zweiten Weltkrieg gekappte Linde wies ausgeprägte
Ständerbildungen auf und war trotz schwerer Ausfaulungen bei der Untersuchung
1999 noch immer bruchsicher.
Werden die eingefaulten Kappungsstellen durch die Wundkallusbildung verschlossen,
kann der Fäulefortschritt -sofern keine anderen Öffnungen bestehen- stark
eingedämmt werden. Die Zunahme der Bruchsicherheit durch Zuwachsprozesse
des Baumes kann dann die Abnahme durch den Fäulefortschritt übertreffen.
Näher kann im Rahmen dieses Aufsatzes auf das komplexe Thema nicht eingegangen
werden. Keinesfalls dürfen Baumkappungen verharmlost werden.
Absterbende obere / periphere Kronenteile und Blattverkleinerungen
Siehe auch unter 7, 2. Teil.
Häufig wird ein Nachlassen der Vitalität mit einer Beeinträchtigung der
Verkehrssicherheit gleichgesetzt. Versorgungsengpässe, die sich in der
Krone äußern, sind zumeist hinsichtlich der Verkehrssicherheit ohne Bedeutung.
Es kann sich um Gasschäden, Bodenverdichtungen, Wassermangel usw. handeln.
Statikrelevante Fäulen befinden sich zumeist in den Wurzelanläufen oder
im Stamminnern. Für eine ausreichende Versorgung der Krone genügen nur
wenige der jüngeren Jahrringe beziehungsweise adventiv gebildete Wurzeln.
Das baumstatische Defizit äußert sich nicht in der Krone.
Vitalität und Verkehrssicherheit müssen zunächst differenziert betrachtet
werden.
Erst in der Endphase einer statikrelevanten Ausfaulung kann der Fäulefortschritt
zu Versorgungsmängeln in der Krone führen. Bevor es soweit kommt, kann
der Schaden meistens an eindeutigen Schadsymptomen im Bereich des Stammfußes
erkannt werden.
Dennoch kann ein Zusammenhang zwischen mangelnder Verkehrssicherheit und
nachlassender Vitalität bestehen.
Starkwurzelkappungen führen in der Folge zu einer Holzzersetzung. Die
Wirksamkeit der Abwehrmechanismen des Baumes gegen die fortschreitende
Fäulnis hängt unter anderem von dessen Gesundheitszustand ab.
Bei nachlassender Vitaltät ist der Fäulefortschitt besonders stark, ein
eventuelles Kompensationswachstum nur gering.
War die Fäule bereits weit fortgeschritten, kann sie bei andauernder Schwächung
der Baumgesundheit innerhalb weniger Jahre verkehrsgefährdende Ausmaße
annehmen.
Deshalb sind geschwächte Bäume besonders gründlich auf die Ausbildung
eindeutiger Schadsymptome zu untersuchen.
Kronensicherungen / alte Kronenanker
An den Befestigungsstellen alter Kronenanker sind manchmal als Hinweis
auf eine ausgedehnte Fäule Pilzfruchtkörper ausgebildet. Dann besteht
Bruchgefahr.
Jahre nach dem Einbau sind die Stahlseile korrodiert und die Bruchfestigkeit
verringert. Im Falle eines Stämmlingsausbruches versagen die auf längere
Sicht zu dünn bemessenen Stahlseile oftmals.
Das gleiche gilt allerdings auch für Kronensicherungen mit Gurten oder
Hohltauen. Selbst namhafte Produkte versagten schon im Falle von Stämmlingsausbrüchen.
Kronensicherungssysteme unterliegen ebenfalls der Materialalterung und
abnehmenden Bruchfestigkeiten.
Insbesondere bei großen Seillängen kann sich bei Systemen mit hoher Dehnung
eine große Fallenergie aufbauen und zum Seilbruch führen.
Viele alte Kronenverankerungen weisen gestraffte Stahlseile auf. Der Einbau
von Kronenverankerungen erfolgte vor allem in den 70-er und 80-er Jahren.
Durch das zwischenzeitlich erfolgte Längenwachstum hat sich das Eigengewichtskraftmoment
der Stämmlinge erhöht und sie haben sich regelrecht in die starren Stahlseile
gehängt.
Bei eigenen Versuchen an Linden waren Zugkräfte von 800 kg erforderlich,
um die Stahlseile zu entlasten. In solchen Fällen besteht bei fortschreitender
Korrosion und weiter zunehmender Belastung die Gefahr des Seilbruches
mit der Folge des Auseinanderbrechens der Stämmlinge.
Außerdem sind die alten Kronenanker wegen des andauernden Höhenwachstums
nicht mehr in der optimalen Einbauhöhe von 2/3 über dem Scheitelpunkt.
In solchen Fällen ist der zusätzliche Einbau von Gurtsicherungen erforderlich.
Die Kronenanker sollten nicht ausgebaut werden.
Freigestellte Bestandsbäume
Wird ein Bestandsbaum freigestellt, das heißt ein in extremer Konkurrenz
schlank und hoch gewachsener Baum mit hohen h/d-Werten, besteht meistens
Kippgefahr. Typisch für Bestandsbäume ist der sehr hohe Kronenansatz (nicht
zu verwechseln mit Aufastungen).
Bäume, die ihre Krone frei von Konkurrenz entfalten konnten, sind auch
nach Freistellungen noch verkehrssicher.
Anhebungen von Wegebelägen, Risse in Mauern etc.
Diese werden häufig als Anzeichen für eine Lockerung des Wurzelwerkes
nach Starkwindereignissen gesehen. Tatsächlich handelt es sich regelmäßig
um Hinweise auf das sekundäre Dickenwachstum intakter Wurzeln. Es ist
ein Anzeichen für standsichere Bäume (auf Stolpergefahr achten).
Fazit
Die biostatische Baumkontrolle unterscheidet Symptome am Baum und Anzeichen
im Baumumfeld hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Stand- und Bruchsicherheit.
Damit wird der Blick des Baumprüfers im „Massengeschäft“ Baumkontrolle
auf das Wesentliche gerichtet.
Vorhersehbares Baumversagen geht immer mit einem der acht beschriebenen
eindeutigen Schadsymptome einher, die in unmittelbarem Zusammenhang mit
einem verkehrsgefährdenden Defekt stehen.
Sie dürfen nicht automatisch gleichgesetzt werden mit Kipp-/Bruchgefahr,
sind jedoch klare Gefahrenzeichen. Die Gefährlichkeit einiger Schadsymptome
kann anhand von verschiedenen Ausprägungen der Baumgestalt genauer bestimmt
werden.
Dazu müssen die Sicherheitsreserven des Baumes eingeschätzt sowie seine
Reaktion auf den Holzabbau festgestellt werden. Die Grundsicherheit wird
von den h/d-Werten, baumartspezifischen Materialeigenschaften und anderem
bestimmt.
Die Reaktion des Baumes auf fortschreitenden Holzabbau kann am Umfang
des Kompensationswachstums, der Fähigkeit zur Abgrenzung von intakten
und abgetöteten Rinden- und Holzbereichen und anderem erkannt werden.
Desweiteren können zahlreiche hinweisende Symptome / Anzeichen auf ein
mögliches Baumproblem hinweisen. Sie sind jedoch in der Regel hinsichtlich
der Stand- und Bruchsicherheit ohne Bedeutung. Auf die seltenen Ausnahmen
wurde im Text hingewiesen.
Baumversagen ist nicht immer vorhersehbar, wie eingangs erwähnt. Es können
sowohl intakte Bäume versagen als auch Bäume mit Vorschäden, die bei der
Sichtkontrolle nicht feststellbar waren.
Die biostatische Baumkontrolle ist seit langem praxiserprobt und beruht
vor allem auf den Erkenntnissen aus statikintegrierten Zugversuchen der
Arbeitsstelle für Baumstatik seit 1984 sowie Schadensfällen, die für Gerichte,
Versicherungen oder Städte untersucht wurden.
Bei mehrjährigen Baumkontrollen des Verfassers beträgt die Anzahl der
Problembäume im Schnitt pro Jahr nur 0,1 %, weitergehende meßtechnische
Untersuchungen sowie Kappungen und Fällungen sind nur in geringer Zahl
erforderlich. Schadensfälle traten bislang nicht auf.
Mit der in diesem Aufsatz vorgestellten biostatischen Baumkontrolle wurde
vom Verfasser ein Handlungskonzept für die visuelle Überprüfung des Altbaumbestandes
hinsichtlich der Stand- und Bruchsicherheit in der kommunalen Praxis erarbeitet.
Weitergehende Kentnisse, wie das Erkennen der Notwendigkeit zur Durchführung
von
* Kronenpflegemaßnahmen,
* Erziehungs- und Aufbauschnitten bei Fehlentwicklungen an Jungbäumen,
* Lichtraumprofilschnitten an Jung- und Altbäumen usw. werden vorausgesetzt.
Literaturverzeichnis siehe Teil 1 des Aufsatzes.
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Veröffentlicht in STADT UND GRÜN, Heft 10 (2001), S. 702-707,
Patzer-Verlag

Abb. 19
Verkehrssicher trotz Bautätigkeit: Eiche im Hochbeet

Abb. 20
Gefahr: Schiefstand nach Orkan ohne Aufwärtskrümmung des Stammes

Abb. 21
Verkehrssicher: Veredelungsstelle an einer Linde

Abb. 22 Gefahr: Ausfluß, tiefe Einwallungen und partielles übermäßiges
Kompensationswachstum

Abb. 23 Gefahr: Alljährlich aufgeplatzte „Frostrisse“
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